Nähbuch-Test: „Tolle Taschen selbst genäht“ – mit Gratis-Anleitung

Daran, dass ich wieder zum Nähen gekommen bin, hat „Tolle Taschen selbst genäht“ etwas „Mitschuld“. Nachdem ich als Teenager Klamotten für mich hergestellt hatte und dann jahrelang gar nicht an der Maschine saß, kam ich vor gut vier Jahren wieder zurück zu meinem alten Hobby. Auch dank dieses Buchs, das ich heute in meiner Blogserie „Nähbuchtest“ vorstellen möchte. In dieser losen Reihe rezensiere ich Nähbücher und probiere jeweils eine Anleitung aus.

tolle taschen selbst genäht7Dass ich „Tolle Taschen selbst genäht“ (von Miriam Dornemann, erschienen im Topp Verlag, ISBN 9783772467349, 14,99 Euro) erstmals in die Hand nahm, liegt also schon recht lange zurück. Für mich ist es inzwischen zu einem Klassiker geworden, den ich immer wieder aus dem Regal ziehe und deshalb möchte ich es euch heute – wenn auch nicht topaktuell – gerne vorstellen.

Das sind die Nähprojekte

Das Buch verfügt über Anleitungen und Schnittmuster für 25 Taschen. Es ist untergliedert in die drei Kapitel „Handtaschen“, „Beutel und große Taschen“ sowie „Kleine Täschchen“. Das reicht also von der Kosmetiktasche über den Einkaufsbeutel und der Clutch bis hin zur Reisetasche. Besonders gut finde ich, dass die Schnittmuster alle auf einem Bogen im Anhang des Buchs zu finden sind.

tolle taschen selbst genäht6Am Anfang eines jeden Kapitels werden die Taschen getragen gezeigt. Anschließend folgt auf einer Doppelseite je eine Anleitung. Kleine Zeichnungen zeigen darin einzelne Nähschritte auf.

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Der Nähtest

Eine Tasche, die ich bisher noch nicht aus dem Buch genäht hatte, ist die „Kleine Charlotte“. Man kann sie als Stiftemäppchen nutzen oder auch für Kosmetik.

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Ich kam wie immer gut mit der Erklärung zurecht. Nur einmal bin ich gestolpert, weil ich nicht gleich verstanden habe, welche Stoffseiten aufeinander gehören. Zudem soll das fertige Futterteil am Reißverschluss des Oberstoffs per Hand angenäht werden. Das habe ich dann mal gepflegt die Nähmaschine erledigen lassen, auch wenn das Ergebnis jetzt nicht so sauber ist.

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Stoff außen: Fabric Freedom, Woodland Walk, Tied Together Dusk, Stoff innen: Hamburger Liebe, Polka Dots Rosé.

Wer E-Books mit Schritt-für-Schritt-Anleitung gewöhnt ist, dem mag die Erläuterung nicht ausführlich genug sein. Ich denke aber, mit etwas Überlegen kommt jeder gut hin.

Wer die „Kleine Charlotte“ ebenfalls nähen möchte, kann hier die vom Topp Verlag zur Verfügung gestellte Anleitung herunterladen (ca. 28 MB).

tolle taschen selbst genäht4Ausgiebig getestet wurden auch schon eine Clutch und diverse Einkaufsbeutel, die ich allerdings allesamt verschenkt habe, ohne sie vorher zu fotografieren. Mein Lieblingsprojekt aus „Tolle Taschen selbst genäht“ ist die „Viktoria“, eine klassische Kosmetiktasche ohne Schnickschnack. Dies ist mein erstes Modell, aus Wachstuch, und ich habe es bisher für meine Kosmetika benutzt.

Nun habe ich sie mir erneut genäht, weil ich mich nach Jahren nun wirklich satt gesehen habe an dem Kindermotiv. Ich denke, das Beispiel ist gut, um zu zeigen, wie variabel die Schnitte im Buch sind, da eine ganze Reihe von Modellen Basics sind, die sich nach den eigenen Vorstellungen erweitern lassen.

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Ich habe den „Viktoria“-Schnitt verbreitert. Zudem habe ich zwei verschiedene Stoffe und auch eine Paspel verwendet.

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Stoffe außen: Cotton+Steel, von Rashida Coleman-Hale, aus der Serie Moonlit: Arrows in Indigo & Nightsky in Indigo; Stoff innen: Art Gallery Fabrics, aus der Serie Chromatics: Pointelle in Shade.

Der Schwierigkeitsgrad

Er variiert und wird mit den Werten 1 bis 3 für jede Tasche angegeben. Meiner Meinung nach ist das Buch sowohl für Anfänger wie für Fortgeschrittene geeignet.

Die erklärten Nähtechniken und Stoffempfehlungen

Hinweise gibt es zu den notwendigen Materialien, dem Nähgarn und Verschlüssen. Erklärt wird außerdem, wie sich Knöpfe selbst beziehen lassen, welche Stoffe zur Auswahl kommen können und wie sie letztlich zugeschnitten werden.

Auf zwei Seiten geht es um die perfekte Einlage. Das Thema kommt meiner Meinung allerdings etwas zu kurz. Empfohlen werden rein generell S320, H630, Decovil sowie Vliesofix zum Applizieren. Welche Einlage zu welcher Tasche am besten passt, bleibt ungeklärt. Da hilft nur, es selbst auszuprobieren und seine Vorlieben zu entdecken.

Die Taschen verfügen standardmäßig nicht über Innentaschen. Wer eine hinzufügen möchte, kann sich die Erklärung „Verdeckte Tasche mit Reißverschluss einnähen“ zu Gemüte führen. Beschrieben ist auch, wie man außen eine kleine Vordertasche anbringt. Weiterhin gibt’s Anleitungen zum Anfertigen von Dekorationen, zum Beispiel einer Blüte aus Webbändern.

Kaufen: ja oder nein?

Wer gerne Taschen näht, dem sei das Buch als Basiswerk empfohlen, auch wenn einige Handtaschen nicht unbedingt meinen Geschmack treffen. Ich habe den Kauf nicht bereut. Das einzige, was mir fehlt, ist eine Anleitung für einen Messenger-Bag. Ansonsten lässt sich in Sachen Vielfalt nicht meckern (und wer weitere „Tolle Taschen“ nähen möchte, findet weitere Exemplare in einem Nachfolgebuch der gleichen Autorin).

Schade finde ich, dass viele Beuteltaschen nicht durch einen Reißverschluss oder Druckknopf geschlossen werden. Wer diese hinzufügen möchte, muss sich also selbst etwas einfallen lassen.

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Wer auf Schnickschnack steht – zum Beispiel zuhauf aufgesetzte Taschen oder Applikationen – der kann das Buch als Grundlage nutzen, muss sich aber größtenteils selbst überlegen, wie er die Modelle „pimpt“. Da ich solches Tüdeldü sowieso nicht mag, fehlt es mir nicht.

Was ich super finde: Die Schnitte lassen sich leicht abändern, wie ihr oben bei der „Viktoria“ gesehen habt. Auch ein Einkaufsbeutel lässt sich größenmäßig anpassen, wenn der Grundschnitt da ist. Aus der Clutch ist bei mir schon eine Kosmetiktasche geworden mit Reißverschluss statt Lasche. Insofern finde ich die knapp 15 Euro wirklich gut investiert.

Weitere Nähbuch-Tests:

Mme ZsaZsa: „Rock-Festival“

Susanne Bochem: „Mama-Baby-Nähbuch“

Verlinkt zu: Rums

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