Nähbuchtest: „Stoff, Schnitt & Stich“

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Heute möchte ich euch in meinem „Nähbuch-Test“ ein Werk vorstellen, das schon einige Zeit sein Dasein in meinem Bücherregal fristet: „Stoff, Schnitt & Stich“ von Tessa Evelegh (Edition Michael Fischer, Preis: 24,99 Euro). Es handelt sich um die deutsche Übersetzung von „The Great British Sewing Bee“, dem Buch zur gleichnamigen BBC-Serie, bei der ähnlich wie bei „Geschickt eingefädelt“ auf Vox der beste Hobbynäher gesucht wird.

Ich habe das Buch vor etwa zwei Jahren gewonnen und zwar dank meiner Männerschürze, deren Schnitt aus dem Buch stammt und den der Verlag für einen Sew-along-Wettbewerb gratis zur Verfügung gestellt hatte. Heute folgt nun das Modell für Frauen, das mit seinen Rüschen und Raffungen schön verspielt ist. Und natürlich ein Blick ins Buch.

Das sind die Nähprojekte

Das Buch ist eine wahre Wundertüte. Die Hälfte der 28 Schnitte entfällt auf Frauenbekleidung, doch auch Männer werden mit einer Fliege, einer Herrenweste, der besagten Schürze und einer Pyjamahose bedacht. Darüber hinaus gibt es einige Deko-Objekte, beispielsweise ein Rollo, ein Kissen, eine Tasche, einen Wäschebeutel,… Wer den Stil mag, wird sicherlich fündig.

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Besonders angetan haben es mir die Kleider und eine Kostümjacke.

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Es sind allgemein eher klassische Modelle. Da ich bisher den Aufwand gescheut habe und ich generell eher wenig für mich nähe, habe ich mich da noch nicht herangetraut, auch wenn manche Modelle nicht so schwer zu nähen sein dürften. Übrigens ist auch eine wirklich sehr schöne Bluse von Tilly and the Buttons dabei.

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Beachten sollte man, dass die Damenbekleidung nur bis Größe 42 geht.

Der Nähtest

Für meinen Nähtest wollte ich gerne die Damenschürze ausprobieren, weil sie relativ komplikationslos machbar ist. Der Schnitt ist aber dennoch pfiffig.

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Das obere Teil ist gedoppelt. Unten am Saum werden Rüschen angebracht und direkt unterhalb des Taillenbundes ist der Stoff ein wenig gerafft. Ich fand sie so süß!

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Ausgewählt habe ich einen Stoff (Camelot Fabrics: Jane Farnham, Fruit Stand), der vom Motiv her gut passt. Vielleicht erkennt man es nicht so gut, aber die Abbildungen sollen Obst darstellen.

Der Anleitung konnte ich ohne Probleme folgen. Auf dem Zuschneideplan sieht man genau, wie man die Schnittmuster auf den Stoff legen muss. Kleine Zeichnungen ergänzen den Erklärtext.

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So ganz ohne Hilfe aus dem Internet ging es aber dann doch nicht. So ist nicht erklärt, wie man mit dem Schrägband beim Einfassen um eine Ecke kommt.

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Darüber hinaus wird empfohlen, das Futter des Oberteils mit Saumstichen am Taillenbund zu befestigen – über eine Länge von 50 Zentimetern. Sicher wäre das sauberer, aber da mir das zu mühselig ist, habe ich dann doch lieber zur Maschine gegriffen. Die Naht ist dann zwar sichtbar, aber nicht störend.

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Die erklärten Nähtechniken

Das Buch wird im Untertitel beschrieben als „Das große Grundlagenbuch des Nähens mit Modellen von zeitloser Eleganz“. In der Tat gibt es einen langen einführenden Teil, in dem es um die Grundausstattung beim Nähen geht, Einstellungen an der Maschine, das Abpausen des Schnittmusters, die Stoffauswahl… Am Ende des Buchs werden dann -auch in zahlreichen Fotografien – verschiedene Grundtechniken vorgestellt, beispielsweise verschiedene Handstiche, Säume, Nähte, Kräuselungen, das Einnähen eines Reißverschlusses,…

Kaufen – ja oder nein?

Eigentlich ist „Stoff, Schnitt & Stich“ als selbstbetiteltes „Grundlagenbuch“ auch an Anfänger gerichtet. Nun nähe ich schon eine Weile und denke, dass man mit Kosmetiktaschen, Utensilos, einfachen Kissen etc. das Nähen vielleicht um einiges besser lernen kann, weil man schnell Erfolgserlebnisse erfährt. Die Damenschürze ist Schwierigkeitsgrad zwei von fünf und absolut machbar, aber das Einfassen mit Schrägband, die Rüschen etc. benötigen eben auch ihre Zeit, Geduld und Exaktheit.

Wirklich lohnen wird sich das Buch eher für diejenige, die gerne für sich selbst näht und schon etwas Erfahrung mitbringt. Dann bietet das Buch einige schöne Modelle. Ob man die Erläuterungen zu den Nähtechniken etc. noch braucht, ist allerdings eher fraglich.

Wer sich das Buch kauft, sollte sich darüber bewusst sein, dass nur ein Schnittmuster beiliegt. Die Schnitte sind in Miniatur im Buch abgebildet und man muss sie um 500 Prozent vergrößert im Copyshop kopieren lassen.

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Alternativ kann man sie von Hand auf kariertem Papier nachzeichnen (wäre mir definitiv zu langwierig) oder sie auf der Verlags-Homepage herunterladen und in DIN A4-Größe ausdrucken, wobei dann das lästige Kleben der Seiten hinzukommt. Schade, denn bei einem Buch von 24,99 Euro hätte ich erwartet, dass die Schnittmuster beiliegen.

Verlinkt zu: Handmade on Tuesday, Creadienstag

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Nähbuch-Test: „Taschenlieblinge selber nähen“ von Pattydoo

 

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Noch selten habe ich es erlebt, dass ein Nähbuch einen solchen Hype auslöst. Wie viele andere interessierte Näherinnen habe ich trotz Vorbestellung einige Tage nach dem Veröffentlichungsdatum warten müssen, bis ich es schließlich vom Versandhandel zugeschickt bekam.

Es geht um das Buch „Taschenlieblinge selber nähen“ von Pattydoo (erschienen im Christophorus Verlag, Preis: 16,99 Euro), die viele bereits aufgrund ihres Blogs, ihrer Schnittmuster und Nähvideos kennen. Ich selbst habe bereits das T-Shirt Leo nach ihrem Schnitt genäht.

Das sind die Nähprojekte

Insgesamt gibt es 14 verschiedene Taschenschnitte, wobei der Begriff Tasche weit gefasst ist. Er reicht von der Tablethülle und dem Stiftemäppchen über das Portemonnaie und die Handtasche bis zur geräumigen Reisetasche.pattydoo_taschenlieblinge2

 

Jede Tasche hat ihr eigenes Extra, zum Beispiel die Hobo-Bag, die sich mit einem Reißverschluss an den Taschenseiten und dem -boden vergrößern lässt (Tasche auf dem Buchcover). Es werden auch unterschiedliche Materialien verwendet wie Oxfordgewebe und (Kunst)Leder. Oft ist es mit einem Endlosreißverschluss als Zubehör nicht getan, sondern auch D-Ringe, Karabiner oder Verschlüsse in bestimmten Größen werden benötigt, ebenso Einlagen zur Verstärkung. Wer eine der Taschen nähen will, sollte also vorab den Besuch im Stoffladen einplanen (ich zumindest bin zubehörtechnisch nicht so gut ausgestattet).

Der Nähtest

Weil ich relativ spontan eine Tasche aus dem Buch nähen und mit etwas Einfachem starten wollte, habe ich mir die Tablethülle ausgesucht für meinen Nähtest. Es gibt sie in zwei Größen, mein E-Book-Reader passt in das kleinere Modell perfekt hinein.

Jede Anleitung ist bebildert:

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Es ist sicher positiv, dass bei ein und dem gleichen Modell mehrere Varianten möglich sind. Nur leider führt es in diesem Fall zu Verwechslungen. Genäht wird in der Anleitung das große Modell, das über eine zusätzliche Außentasche verfügt. Diese befindet sich auf der Vorderseite (folgendes Foto, linkes Modell, Brillenstoff), die Taschenklappe somit auf der Hinterseite (nicht sichtbar). Nun habe ich bei dem kleinen Modell aber die Außentasche weggelassen, so dass die Klappe sich auf der Vorder- und nicht auf der Hinterseite befindet (rechtes Modell). Auf diesen Unterschied wird in der Anleitung allerdings nicht eingegangen und wer nicht mitdenkt, näht schnell mal die falschen Teile zusammen.

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Ich schaffte es noch, die fertige Taschenklappe an die richtige Seite zu nähen. Die nächste Hürde kam dann beim Aneinandernähen aller übrigen Schnittteile. Da ich nicht nur die Außentasche weggelassen hatte, sondern auch die Gurtbandverzierung auf der Vordertasche, dann auch noch Vorder- und Hinterseite bei mir und in der Anleitung nicht überein stimmten, kam ich mit der Beschreibung im Buch und auch den Anleitungsfotos nicht weiter. Großer Knoten im Kopf.

Ich habe mich dann an eine Handyhülle erinnert, die ich vor einiger Zeit genäht habe und die ähnlich ist. Mit der Anleitung dazu ist es mir dann gelungen.

Ich habe die einzelnen Schritte mitfotografiert – für alle, die die Tablethülle noch nähen wollen und ebenfalls rätseln. Bitte einmal auf das erste große Foto klicken, dann öffnet sich die Bildergalerie mit den Erläuterungen.

Wie ich im Nachhinein gesehen habe, hatte sich auch ein Fehler in die Anleitung eingeschlichen. Alle Korrekturen zum Buch sind auf der Seite von Pattydoo zu finden. In neueren Auflagen ist das evt. schon berichtigt.

So sieht meine Tablethülle am Ende aus. Das Gurtband ist etwas kürzer als im Original:

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Der E-Book-Reader passt bestens hinein.

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Die erklärten Nähtechniken

Zu Beginn des Buchs geht Pattydoo bzw. Ina auf die passenden Stoffe, Vlieseinlagen und weiteres Zubehör ein. Einige Tipps gibt es zudem zum Abpausen der Schnittteile, zum Zuschneiden und Nähen.

Pattydoo ist unter anderem so beliebt, weil Ina Nähvideos anfertigt. Beim T-Shirt Leo hatte ich das selbst getestet und fand es super, da Text und bewegtes Bild einfach leichter verständlich sind als Text und Fotos wie sonst in klassischen E-Books. Sicherlich wäre es viel zu aufwändig geworden, zu jeder Tasche ein Video anzufertigen. Allerdings gibt es zehn Nähvideos zum Buch, in denen einzelne Nähschritte erklärt werden, zum Beispiel das Annähen eines Reißverschlusses. Bei jeder Anleitung wird auf das passende Video verwiesen. Die Videos sind auf Youtube abrufbar und daher nicht nur für Käufer des Buchs interessant.

Kaufen – ja oder nein?

So sehr ich das durchdachte E-Book inklusive Video zum Shirt Leo geschätzt habe, so wenig kam ich nun mit der Buchanleitung zurecht. Natürlich lässt sich immer die Frage stellen: Bin ich zu blöd oder ist die Anleitung nicht gut gemacht? Ein anderes Modell habe ich bisher noch nicht aus dem Buch ausprobiert, auch wenn die Hobo-Bag auf dem Cover mich noch reizt.

Wer Interesse daran hat, auch mal kompliziertere Schnitte oder noch nie vernähte Stoffe auszuprobieren, der ist mit diesem Buch sicherlich gut bedient. Wobei „Taschenlieblinge selber nähen“ auch für Anfänger geeignet ist, da jedes Nähniveau abgedeckt ist. Die Auswahl an Modellen ist dann eben geringer.

Ob die Modelle dem eigenen Geschmack und Nähniveau entsprechen, ist natürlich von jedem Einzelnem abhängig. Daher würde ich vor dem Kauf einen Blick ins Inhalsverzeichnis empfehlen, um zu schauen, ob etwas Passendes dabei ist.

Verlinkt zu: Creadienstag, Handmade on Tuesday

Kennt ihr das Buch schon? Welche Eindrücke habt ihr davon gewonnen?

Nähbuch-Test: „Kissenkult – Lieblingskissen selber nähen“

Ohje, schon so lange her, dass ich das letze Mal gebloggt habe. Und warum? Weil ich in meiner knappen Freizeit einfach viel zu sehr damit beschäftigt war, rechtzeitig ein paar Sommerklamotten fertig zu bekommen, bevor es in den Urlaub ging. Ja, während andere noch der schönsten Zeit im Jahr entgegenfiebern, sitze ich nun bestens entspannt, gebräunt und mit hoffentlich noch einigen Sommerwochen vor mir vor dem Computer.

Doch statt T-Shirts und Shorts gibt es heute einen weiteren Beitrag aus meiner Serie „Nähbuch-Tests“. Ausgewählt habe ich diesmal „Kissenkult – Lieblingskissen selber nähen“ von Yvonne Jahnke vom Blog Leni Pepunkt (Edition Michael Fischer, 9,99 Euro).

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Das sind die Nähprojekte

Im Buch sind 15 verschiedene Kissenarten zu finden, vom Sitzkissen über die Nackenrolle bis zum Kirschkernkissen.

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Geeignet sind sie für die eigene Couch aber auch fürs Kinderzimmer. Witzig sind jene Exemplare, bei denen die Form eben nicht traditionell rechteckig ist, wie beispielsweise die Gitarren-, das Anker- oder auch die Buchstabenkissen.

Auch wenn ich mich nun nicht selbst auf einem Kissen sehen muss, finde ich die Idee originell, ein Portrait von sich oder von Familienmitgliedern auf Transferfolie zu drucken und das Bild dann auf den Stoff zu bügeln. Das habe ich so noch nirgends gesehen.

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Dem Buch sind die Schnittmuster begeigefügt – definitiv ein Plus und für mich ein Muss. Wer hat schon Lust, zum Vergrößern in den Copyshop zu rennen oder sich den Schnitt herunterzuladen und auszudrucken, wenn er ein Buch kauft?

Der Nähtest

Besonders angetan hat es mir das „fruchtige Apfelkissen“. So süß!

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Jeder Schritt wird anhand eines Fotos und eines Anleitungstextes erklärt. Es ist mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad drei ausgewiesen, wobei ich sagen würde, dass es auf jeden Fall für Anfänger geeignet ist, auch aufgrund der guten Erklärungen. Die größte Anstrengung dürfte wohl sein, Rundungen zu nähen. Mit dem Ergebnis bin ich recht zufrieden. Ich denke, es eignet sich gut als Geschenk für kleinere Kinder.

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Der Schwierigkeitsgrad

„Kissenkult“ ist ein absolut für Anfänger geeignetes Nähbuch. Bei einem Kissen kann man schließlich im Gegensatz zu mancher Tasche oder manchem Kleidungsstück wenig falsch machen. Zudem sind die Erklärungen detailreich, viele Fotos veranschaulichen die einzelnen Schritte. Fortgeschrittene finden hier und dort noch eine neue Inspiration.

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Die erklärten Nähtechniken

Auf zwei Doppelseiten werden zu Anfang die Grundausstattung und die Nähtechniken erläutert, sprich der Matratzenstich, das Versäubern und das Applizieren.

Weitere Nähkniffe – wie das Anbringen einer Paspel, eines Reißverschlusses oder der Hotelverschluss – werden gezeigt, wenn sie bei einem bestimmten Exemplar umgesetzt werden. Von daher kann man sich einzelne Techniken rausgreifen, wenn das Kissen im Buch nicht so gefällt und man eine andere Idee im Kopf hat.

Kaufen – ja oder nein?

Wie das immer so ist bei Nähbüchern: Es gibt Projekte daraus, die einem so gut gefallen, dass man das Buch kauft und andere, von denen man sofort weiß, dass man sie nie umsetzen wird. So ist das auch bei „Kissenkult“. Den Apfel musste ich einfach nachmachen. Jedoch werde ich wahrscheinlich kaum Stoff mit Farbspritzern und einem „relax“-Schriftzug versehen, um daraus einen Bezug für einen Schaumstoffwürfel zu machen. Ist einfach Geschmackssache.

Wer gerade mit dem Nähen gestartet ist und einige einfache und originelle Ideen sucht, wird hier gewiss fündig und kann einiges lernen. Insofern ist das Buch keineswegs ein Reinfall und für knapp zehn Euro sein Geld wert. Wer aber nur einmal eben rechteckige Exemplare mit oder ohne Reißverschluss nähen will, bei denen der Stoff allein schon der Hingucker ist, der findet diese Basics auch gratis im großen, weiten Netz erklärt.

Weitere Nähbuch-Tests:

Miriam Dornemann: Tolle Taschen selbst genäht

Mme ZsaZsa: “Rock-Festival”

Susanne Bochem: “Mama-Baby-Nähbuch”

Verlinkt zu: Creadienstag

Nähbuch-Test: „Tolle Taschen selbst genäht“ – mit Gratis-Anleitung

Daran, dass ich wieder zum Nähen gekommen bin, hat „Tolle Taschen selbst genäht“ etwas „Mitschuld“. Nachdem ich als Teenager Klamotten für mich hergestellt hatte und dann jahrelang gar nicht an der Maschine saß, kam ich vor gut vier Jahren wieder zurück zu meinem alten Hobby. Auch dank dieses Buchs, das ich heute in meiner Blogserie „Nähbuchtest“ vorstellen möchte. In dieser losen Reihe rezensiere ich Nähbücher und probiere jeweils eine Anleitung aus.

tolle taschen selbst genäht7Dass ich „Tolle Taschen selbst genäht“ (von Miriam Dornemann, erschienen im Topp Verlag, ISBN 9783772467349, 14,99 Euro) erstmals in die Hand nahm, liegt also schon recht lange zurück. Für mich ist es inzwischen zu einem Klassiker geworden, den ich immer wieder aus dem Regal ziehe und deshalb möchte ich es euch heute – wenn auch nicht topaktuell – gerne vorstellen.

Das sind die Nähprojekte

Das Buch verfügt über Anleitungen und Schnittmuster für 25 Taschen. Es ist untergliedert in die drei Kapitel „Handtaschen“, „Beutel und große Taschen“ sowie „Kleine Täschchen“. Das reicht also von der Kosmetiktasche über den Einkaufsbeutel und der Clutch bis hin zur Reisetasche. Besonders gut finde ich, dass die Schnittmuster alle auf einem Bogen im Anhang des Buchs zu finden sind.

tolle taschen selbst genäht6Am Anfang eines jeden Kapitels werden die Taschen getragen gezeigt. Anschließend folgt auf einer Doppelseite je eine Anleitung. Kleine Zeichnungen zeigen darin einzelne Nähschritte auf.

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Der Nähtest

Eine Tasche, die ich bisher noch nicht aus dem Buch genäht hatte, ist die „Kleine Charlotte“. Man kann sie als Stiftemäppchen nutzen oder auch für Kosmetik.

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Ich kam wie immer gut mit der Erklärung zurecht. Nur einmal bin ich gestolpert, weil ich nicht gleich verstanden habe, welche Stoffseiten aufeinander gehören. Zudem soll das fertige Futterteil am Reißverschluss des Oberstoffs per Hand angenäht werden. Das habe ich dann mal gepflegt die Nähmaschine erledigen lassen, auch wenn das Ergebnis jetzt nicht so sauber ist.

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Stoff außen: Fabric Freedom, Woodland Walk, Tied Together Dusk, Stoff innen: Hamburger Liebe, Polka Dots Rosé.

Wer E-Books mit Schritt-für-Schritt-Anleitung gewöhnt ist, dem mag die Erläuterung nicht ausführlich genug sein. Ich denke aber, mit etwas Überlegen kommt jeder gut hin.

Wer die „Kleine Charlotte“ ebenfalls nähen möchte, kann hier die vom Topp Verlag zur Verfügung gestellte Anleitung herunterladen (ca. 28 MB).

tolle taschen selbst genäht4Ausgiebig getestet wurden auch schon eine Clutch und diverse Einkaufsbeutel, die ich allerdings allesamt verschenkt habe, ohne sie vorher zu fotografieren. Mein Lieblingsprojekt aus „Tolle Taschen selbst genäht“ ist die „Viktoria“, eine klassische Kosmetiktasche ohne Schnickschnack. Dies ist mein erstes Modell, aus Wachstuch, und ich habe es bisher für meine Kosmetika benutzt.

Nun habe ich sie mir erneut genäht, weil ich mich nach Jahren nun wirklich satt gesehen habe an dem Kindermotiv. Ich denke, das Beispiel ist gut, um zu zeigen, wie variabel die Schnitte im Buch sind, da eine ganze Reihe von Modellen Basics sind, die sich nach den eigenen Vorstellungen erweitern lassen.

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Ich habe den „Viktoria“-Schnitt verbreitert. Zudem habe ich zwei verschiedene Stoffe und auch eine Paspel verwendet.

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Stoffe außen: Cotton+Steel, von Rashida Coleman-Hale, aus der Serie Moonlit: Arrows in Indigo & Nightsky in Indigo; Stoff innen: Art Gallery Fabrics, aus der Serie Chromatics: Pointelle in Shade.

Der Schwierigkeitsgrad

Er variiert und wird mit den Werten 1 bis 3 für jede Tasche angegeben. Meiner Meinung nach ist das Buch sowohl für Anfänger wie für Fortgeschrittene geeignet.

Die erklärten Nähtechniken und Stoffempfehlungen

Hinweise gibt es zu den notwendigen Materialien, dem Nähgarn und Verschlüssen. Erklärt wird außerdem, wie sich Knöpfe selbst beziehen lassen, welche Stoffe zur Auswahl kommen können und wie sie letztlich zugeschnitten werden.

Auf zwei Seiten geht es um die perfekte Einlage. Das Thema kommt meiner Meinung allerdings etwas zu kurz. Empfohlen werden rein generell S320, H630, Decovil sowie Vliesofix zum Applizieren. Welche Einlage zu welcher Tasche am besten passt, bleibt ungeklärt. Da hilft nur, es selbst auszuprobieren und seine Vorlieben zu entdecken.

Die Taschen verfügen standardmäßig nicht über Innentaschen. Wer eine hinzufügen möchte, kann sich die Erklärung „Verdeckte Tasche mit Reißverschluss einnähen“ zu Gemüte führen. Beschrieben ist auch, wie man außen eine kleine Vordertasche anbringt. Weiterhin gibt’s Anleitungen zum Anfertigen von Dekorationen, zum Beispiel einer Blüte aus Webbändern.

Kaufen: ja oder nein?

Wer gerne Taschen näht, dem sei das Buch als Basiswerk empfohlen, auch wenn einige Handtaschen nicht unbedingt meinen Geschmack treffen. Ich habe den Kauf nicht bereut. Das einzige, was mir fehlt, ist eine Anleitung für einen Messenger-Bag. Ansonsten lässt sich in Sachen Vielfalt nicht meckern (und wer weitere „Tolle Taschen“ nähen möchte, findet weitere Exemplare in einem Nachfolgebuch der gleichen Autorin).

Schade finde ich, dass viele Beuteltaschen nicht durch einen Reißverschluss oder Druckknopf geschlossen werden. Wer diese hinzufügen möchte, muss sich also selbst etwas einfallen lassen.

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Wer auf Schnickschnack steht – zum Beispiel zuhauf aufgesetzte Taschen oder Applikationen – der kann das Buch als Grundlage nutzen, muss sich aber größtenteils selbst überlegen, wie er die Modelle „pimpt“. Da ich solches Tüdeldü sowieso nicht mag, fehlt es mir nicht.

Was ich super finde: Die Schnitte lassen sich leicht abändern, wie ihr oben bei der „Viktoria“ gesehen habt. Auch ein Einkaufsbeutel lässt sich größenmäßig anpassen, wenn der Grundschnitt da ist. Aus der Clutch ist bei mir schon eine Kosmetiktasche geworden mit Reißverschluss statt Lasche. Insofern finde ich die knapp 15 Euro wirklich gut investiert.

Weitere Nähbuch-Tests:

Mme ZsaZsa: „Rock-Festival“

Susanne Bochem: „Mama-Baby-Nähbuch“

Verlinkt zu: Rums

Nähbuch-Test: Rock-Festival von Mme Zsazsa

Zunächst einmal herzlichen Dank für die lieben Kommentare zu meinem ersten Nähbuch-Test. Ich war nicht sicher, ob diese Art von Buchrezension euch da draußen in der großen Bloggerwelt interessiert. Umso schöner, dass dies anscheinend so ist. 🙂

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Weiter geht es heute mit „Rock-Festival – Fabelhafte Modelle zum Nähen für Groß und Klein“ von Mme Zsazsa (Verlag: Bassermann Inspiration, Preis: 14,99 Euro, Fotografien im Buch von Elza D.). Die Autorin stammt aus Belgien und in ihrem Heimatland ist es unter dem Titel „Allemaal Rokjes“ erschienen. Wie der Titel schon erahnen lässt, werden im Buch viele verschiedene Rockmodelle für Mädchen und Frauen vorgestellt.

Der erste Eindruck

Die Fotos wurden alle in einem Zirkus aufgenommen, was natürlich ein wunderbarer Rahmen ist, um die farbenfrohen Röcke in Szene zu setzen. Jede Anleitung verfügt über mehrere Skizzen zur Erläuterung. Das Layout ist lässig und ungezwungen, der Schreibstil von Mme Zsazsa locker und witzig. „Diese Schere verwenden Sie ausschließlich zum Stoffschneiden, sonst kommen Sie in die Hölle“, heißt es da zum Thema Stoffschere. Insgesamt macht alleine schon das Durchblättern Lust darauf, die Röcke nachzunähen. Ein großes Plus ist, dass die Schnittbögen für Mädchen (Größe 92 – 164) und Frauen (Größe 34 bis 46) beiliegen.

Das sind die Nähprojekte

Ich zähle mal die unzähligen Varianten auf: Rock mit Gummizug, A-Form, Unterröcke, Rock mit Jersey-Bund, Schwangerschaftsrock (sehr schön, fertige Schnitte findet man selten), Bahnenrock, Glockenrock, Wickelrock, gerader Rock, Tellerrock, Kräuselrock, Rock mit Schleife, Knopfleiste oder Kellerfalte,… Die Möglichkeiten sind enorm. Die meisten Modelle basieren auf den zwei Grundschnitten A-Form und Glockenrock. So wird beispielsweise für den Wickelrock einer der beiden Schnitte verwendet.

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Dazu werden verschiedene Techniken erklärt, zum Beispiel das Einnähen eines Reißverschlusses oder Futters, verschiedene Säume (vom einfachen Umnähen bis hin zum Versäubern mit Schrägband oder Spitzenborte) sowie das Anbringen eines Paspelbands.

Wer den einen oder anderen Rock genäht hat, kann die Techniken natürlich je nach Wunsch kombinieren, was den Schwierigkeitsgrad erhöht. Das einzige, das fehlt, sind Taschen.

Der Nähtest: zwei A-Linien-Röcke

Der A-Linien-Rock ist einer der Grundschnitte im Buch und ohne Extras sehr schnell zu nähen. Eine Größentabelle steht am Anfang des Buches. Schnitt abpausen und los geht´s. Die einfachste Form, die ich zunächst genäht habe, verfügt am Bund über einen Beleg (die Autorin unterscheidet zwischen Beleg = zur Verstärkung innen und Besatz = Bundstück außen, siehe Eulen-Rock weiter unten).

Hier das Modell aus dem Buch:

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Und hier meine Version – schlicht und ohne jedes Extra:

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Auf dem folgenden Foto seht ihr den Beleg:

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Es gibt zwei Anleitungen zum Einnähen eines Reißverschlusses, einmal als verdeckte und einmal als normale Version. Bei der letzten Variante wird der Schlitz oben zwischen Vorder- und Rückteil zusammengesteppt und nach dem Anbringen des Reißverschlusses wieder aufgetrennt. Madame Zsazsa rät übrigens, den Reißverschluss wegzulassen, wenn man schmale Schultern hat und den Rock über den Kopf gezogen bekommt. Ist natürlich die einfachste Variante, aber auch die bequemste?

Motiviert vom ersten Rock wagte ich mich an Modell Nummer zwei, dieses Mal mit Besatz (außen) und Paspelband.

Das Modell im Buch:

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Und voilà, so sieht er bei mir aus (mit kleinen Trageknitterfalten – bei den derzeitigen Spätsommertemperaturen ist der Rock zu meinem Lieblingsstück mutiert):

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Im Buch ist erklärt, wie man selbst eine Paspel herstellen kann, ich habe mich aber mit fertigem Band begnügt.

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Der Saum wird zwei Mal umgeschlagen:

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Der Rock war recht schnell genäht. Ich habe einen etwas festeren Stoff verwendet, so dass er auch noch herbsttauglich ist.

Schwierigkeitsgrad

Das hängt natürlich vom jeweiligen Modell ab. Wer einen einfachen Jersey- oder Mädchenrock mit Gummizug wählt, kann natürlich wenig falsch machen. Je mehr Extras hinzukommen, desto schwieriger wird’s, aber das ist natürlich – finde ich – eine schöne Herausforderung. Das Buch ist durchaus für Nähanfänger gedacht, aber auch Fortgeschrittene kommen auf ihre Kosten.

Die erklärten Nähtechniken und Stoffempfehlungen

Da sich das Buch auch an Anfänger richtet, startet es mit einem „ausführlichen Nähkurs. Dauer etwa eine Viertelstunde“. Dabei werden kleine Säckchen genäht, die später beim Zuschneiden als Fixiergewichte verwendet werden können. Darauf habe ich verzichtet, denn gerade Nähte kann ich schon 😉 Erläutert wird zudem das Maßnehmen, es gibt Tipps zu Stoffauswahl und Kurzwaren sowie eine Anleitung, wie die Schnitte zu übertragen, der Stoff zuzuschneiden und später zu nähen ist.

Kaufen: ja oder nein?

Definitv ja. Allein das Preis-Leistungsverhältnis ist unschlagbar. Wo bekommt Frau sonst für 15 Euro so viele Rockmodelle geboten? Ein gutes Grundlagenbuch für alle, die gerne Röcke mögen und nähen.

Und nun werde ich bei Rums schauen, wer sonst noch so nähaktiv war.