Nähbuchtest: „Stoff, Schnitt & Stich“

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Heute möchte ich euch in meinem „Nähbuch-Test“ ein Werk vorstellen, das schon einige Zeit sein Dasein in meinem Bücherregal fristet: „Stoff, Schnitt & Stich“ von Tessa Evelegh (Edition Michael Fischer, Preis: 24,99 Euro). Es handelt sich um die deutsche Übersetzung von „The Great British Sewing Bee“, dem Buch zur gleichnamigen BBC-Serie, bei der ähnlich wie bei „Geschickt eingefädelt“ auf Vox der beste Hobbynäher gesucht wird.

Ich habe das Buch vor etwa zwei Jahren gewonnen und zwar dank meiner Männerschürze, deren Schnitt aus dem Buch stammt und den der Verlag für einen Sew-along-Wettbewerb gratis zur Verfügung gestellt hatte. Heute folgt nun das Modell für Frauen, das mit seinen Rüschen und Raffungen schön verspielt ist. Und natürlich ein Blick ins Buch.

Das sind die Nähprojekte

Das Buch ist eine wahre Wundertüte. Die Hälfte der 28 Schnitte entfällt auf Frauenbekleidung, doch auch Männer werden mit einer Fliege, einer Herrenweste, der besagten Schürze und einer Pyjamahose bedacht. Darüber hinaus gibt es einige Deko-Objekte, beispielsweise ein Rollo, ein Kissen, eine Tasche, einen Wäschebeutel,… Wer den Stil mag, wird sicherlich fündig.

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Besonders angetan haben es mir die Kleider und eine Kostümjacke.

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Es sind allgemein eher klassische Modelle. Da ich bisher den Aufwand gescheut habe und ich generell eher wenig für mich nähe, habe ich mich da noch nicht herangetraut, auch wenn manche Modelle nicht so schwer zu nähen sein dürften. Übrigens ist auch eine wirklich sehr schöne Bluse von Tilly and the Buttons dabei.

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Beachten sollte man, dass die Damenbekleidung nur bis Größe 42 geht.

Der Nähtest

Für meinen Nähtest wollte ich gerne die Damenschürze ausprobieren, weil sie relativ komplikationslos machbar ist. Der Schnitt ist aber dennoch pfiffig.

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Das obere Teil ist gedoppelt. Unten am Saum werden Rüschen angebracht und direkt unterhalb des Taillenbundes ist der Stoff ein wenig gerafft. Ich fand sie so süß!

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Ausgewählt habe ich einen Stoff (Camelot Fabrics: Jane Farnham, Fruit Stand), der vom Motiv her gut passt. Vielleicht erkennt man es nicht so gut, aber die Abbildungen sollen Obst darstellen.

Der Anleitung konnte ich ohne Probleme folgen. Auf dem Zuschneideplan sieht man genau, wie man die Schnittmuster auf den Stoff legen muss. Kleine Zeichnungen ergänzen den Erklärtext.

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So ganz ohne Hilfe aus dem Internet ging es aber dann doch nicht. So ist nicht erklärt, wie man mit dem Schrägband beim Einfassen um eine Ecke kommt.

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Darüber hinaus wird empfohlen, das Futter des Oberteils mit Saumstichen am Taillenbund zu befestigen – über eine Länge von 50 Zentimetern. Sicher wäre das sauberer, aber da mir das zu mühselig ist, habe ich dann doch lieber zur Maschine gegriffen. Die Naht ist dann zwar sichtbar, aber nicht störend.

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Die erklärten Nähtechniken

Das Buch wird im Untertitel beschrieben als „Das große Grundlagenbuch des Nähens mit Modellen von zeitloser Eleganz“. In der Tat gibt es einen langen einführenden Teil, in dem es um die Grundausstattung beim Nähen geht, Einstellungen an der Maschine, das Abpausen des Schnittmusters, die Stoffauswahl… Am Ende des Buchs werden dann -auch in zahlreichen Fotografien – verschiedene Grundtechniken vorgestellt, beispielsweise verschiedene Handstiche, Säume, Nähte, Kräuselungen, das Einnähen eines Reißverschlusses,…

Kaufen – ja oder nein?

Eigentlich ist „Stoff, Schnitt & Stich“ als selbstbetiteltes „Grundlagenbuch“ auch an Anfänger gerichtet. Nun nähe ich schon eine Weile und denke, dass man mit Kosmetiktaschen, Utensilos, einfachen Kissen etc. das Nähen vielleicht um einiges besser lernen kann, weil man schnell Erfolgserlebnisse erfährt. Die Damenschürze ist Schwierigkeitsgrad zwei von fünf und absolut machbar, aber das Einfassen mit Schrägband, die Rüschen etc. benötigen eben auch ihre Zeit, Geduld und Exaktheit.

Wirklich lohnen wird sich das Buch eher für diejenige, die gerne für sich selbst näht und schon etwas Erfahrung mitbringt. Dann bietet das Buch einige schöne Modelle. Ob man die Erläuterungen zu den Nähtechniken etc. noch braucht, ist allerdings eher fraglich.

Wer sich das Buch kauft, sollte sich darüber bewusst sein, dass nur ein Schnittmuster beiliegt. Die Schnitte sind in Miniatur im Buch abgebildet und man muss sie um 500 Prozent vergrößert im Copyshop kopieren lassen.

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Alternativ kann man sie von Hand auf kariertem Papier nachzeichnen (wäre mir definitiv zu langwierig) oder sie auf der Verlags-Homepage herunterladen und in DIN A4-Größe ausdrucken, wobei dann das lästige Kleben der Seiten hinzukommt. Schade, denn bei einem Buch von 24,99 Euro hätte ich erwartet, dass die Schnittmuster beiliegen.

Verlinkt zu: Handmade on Tuesday, Creadienstag